Auf welche konkreten Maßnahmen setzen Sie?

Es braucht ein großes Maßnahmepaket dafür. Alle Ideen hier aufzuführen, führt sehr weit. Es geht um die gesamte Stadtgesellschaft, alle Initiativen, jede Landes- und Bundesentscheidung und auch EU- und UN-weite Maßnahmen
gehören dazu. Auf kommunaler Ebene würde ich eine Arbeitsgruppe einsetzen, die Ideen aus der Stadt herausbringt und aus der Welt einsammelt.

Gleichzeitig spricht sich Dresden für partizipative Instrumente aus: Wie wollen Sie die Mitbestimmung und Teilhabe von strukturell benachteiligten Gruppen fördern?

Ich werde diese sichtbar machen.

Jeder Mensch hat das Recht auf Leben und körperliche wie seelische Unversehrtheit. Wir sehen die Notwendigkeit, Gewaltschutzprojekte (Frauenschutzhaus, Männer*schutzwohnung, Mädchen*zuflucht, Jungen*zuflucht etc.) zu
erhalten bzw. diese auszubauen oder neu einzurichten. Daneben bedarf es den Auf- und Ausbau von spezialisierten Beratungsangeboten für Betroffene geschlechtsspezifischer Gewalt, um deren zeitnahe und wirkungsvolle
Unterstützung sicherzustellen. Außerdem müssen die Mittel für die Bekämpfung von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Diskriminierung aufgestockt werden. Wie wollen Sie diesem Bedarf gerecht werden?
Hier brauchen wir mehr Mittel im Haushalt und ein viel breiteres Angebot. Menschen unter Gewalt und in Angst benötigen unsere absolute Unterstützung! Wichtig ist, unterdrückte Menschen wieder mit Selbstbewusstsein und
einer Perspektive auszustatten. Empowerment of the punished leads to engagement of the free.

Wie wollen Sie dafür sorgen, dass Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrung vor Diskriminierung und Gewalt in Dresden, insbesondere im öffentlichen Raum, geschützt werden?

Das ist ein komplexes Thema. Als es darum ging, dass Städte in Deutschland Kriegsgeflüchtete aus Syrien aufnehmen wollen, das Heimatministerium unter Seehofer dies nicht ermöglichte, tat mir das unheimlich weh. Mit Mission
Lifeline haben wir eine Seenotrettung aus Dresden, welche durch die aufgeklärte Stadtgesellschaft unterstützt wird. Ich bin unendlich froh, dass sich Dresden kürzlich endlich zum 'Sicheren Hafen' erklärt hat. Dies gilt es jetzt mit Leben zu füllen. Als konkretes Mittel werde ich die Besetzung der Versammlungsbehörde ändern, um Demonstrationen von Pegida und Querdenken in der Innenstadt gerecht mit anderen, positiven Demonstrationen in die Waage zu bringen. Hier werde ich als Oberbürgermeister eine aktive Rolle spielen.
Menschen flüchten, weil sie in ihrer Heimat bedroht werden. Wenn Hochlköppe hier – die nie geflüchtet sind und denen es hier gut geht – andere Menschen angreifen, dann ist das mit einer weltoffenen Stadt nicht vereinbar und
kann von einer aufgeklärten Stadtgesellschaft nicht hingenommen werden!
Die Unterstützung von Vereinen und Initiativen, welche sich für Geflüchtete einsetzen, hat hohe Priorität. Unbürokratisch, und wenn notwendig mit kurzfristig umbesetzten Verwaltungsstellen.

Wie werden Sie sich dafür einsetzen, dass sich die Institutionen der LH Dresden für deren Interessen und Bedarfe öffnen und vorhandene Barrieren abgebaut werden? Was werden Sie gegen Alltagsrassismus (z.B. bei Job- und
Wohnraumsuche) tun?

Die Verwaltung ist ein seit langem bestehendes Konstrukt aus Ebenen, Sachbearbeitung und einem "das haben wir schon immer so gemacht". Das ist den Sachbearbeiter·innen nicht vorzuwerfen. Hier helfen Schulungen, Gespräche
mit Initiativen den betroffenen Betreuen und eine Bewusstwerdung – es geht darum, dass Menschen, Menschen betreuen. In der Verwaltung wird das ein langer Weg sein.

Welche Ideen wollen Sie umsetzen, damit sich Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrung in alle gesellschaftlichen Bereiche des Dresdner Stadtlebens gleichberechtigt einbringen können und diese aktiv mit ihren
vielfältigen Erfahrungen und Perspektiven mitgestalten können?

Wir sind nicht Berlin, nicht Hambug, nicht Leipzig. Dresden in Sachsen hat nur eins: Geld. Solange sich die Verhältnisse hier nur langsam ändern, ist eine Gleichberechtigung von allen Menschen schwierig.
Deshalb werde ich als Oberbürgermeister vor allem die erfolgreichen Kommunen wie Berlin, Hamburg, aber auch die europäischen Kommunen fragen, welche Konzepte sie entwickelt haben, um Gleichberechtigung zu schaffen.
Solange werde ich Initiativen, die Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrung helfen und ideell und finanziell unterstützen. Sie können mir erzählen, was es braucht, und wo es hingehen muss.

Setzen Sie sich dafür ein, dass dauerhaft in Dresden lebende Migrant*innen an Kommunalwahlen teilnehmen können?

Ja - aber dies liegt nicht in der Zuständigkeit der Kommune. Ich werde mich beim Land Sachsen und beim Städtetag dafür einsetzen, dass dies möglich wird.

Wie wollen Sie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf / Studium / Ausbildung unterstützen?

Ich bin für kostenfreie Kitas. Dies bedarf aber Gesetzesänderungen auf höherer Ebene. Ich finde es ein Skandal, dass der Stadtratsbeschluss zu Kinderbetreuung im Rathaus niemals umgesetzt wurde.

Wie wollen Sie als LH Dresden dabei Vorbild sein, eine gute Vereinbarkeit zu erreichen?

Kinderbetreuung im Rathaus für Angestellte und Kund·innen wäre ein Anfang.

Wie wollen Sie Alleinerziehende und getrennterziehende Elternteile unterstützen?

Durch Beratungs-/Mediationsangebote. Entweder von der Stadt selbst oder über freie Träger.

Was tun Sie dafür, damit Väter* ihre aktive Vater*schaft leben können und dies gesellschaftlich und in Unternehmen stärker anerkannt und bedacht wird?

Wir müssen als Gesellschaft anerkennen, dass wir zwar aus einer Tradition des Patriarchats kommen, welches noch lange nicht überwunden ist - es dennoch aber auch massive Probleme von Vätern gibt. Diese Probleme gilt es zu
erkennen, zu diskutieren, ein Bewusstsein dafür zu schaffen - und anschließend gesammtgesellschaftlich Lösungen für die Probleme zu finden.